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28.12.2025 Laternenrundgang

 

Fränkischer Rundling einmal anders gesehen. Alte Grundrisse werfen Fragen auf

Die Laternenwanderung 2025, zu der die Interessengemeinschaft wieder eingeladen hatte, bot dieses Mal eine Zeitreise durch mehr als 1200 Jahre Ober-Röder Geschichte, von den Anfängen im 8. Jahrhundert bis heute - der Umgestaltung des Kirchenhügels. Anhand ausgewählter Meilensteine wurden bekannte Entwicklungsschritte einmal aus anderen Blickwinkeln betrachtet, kritisch hinterfragt und zusätzliche Sichtweisen geboten. „Wir erfinden nichts Neues, sondern setzen die bekannten Fakten einmal in andere Zusammenhänge“ erläutert Ernst Schäck vorweg. Im ersten Teil standen insbesondere die Ausprägung eines fränkischen Herrenhofes, der engere Kirchenhügel und der Rodaudurchfluss im Mittelpunkt der alternativen Betrachtungen. Auch zu der nachgewiesenen Burgstelle konnte ein Eindruck, wie man sich eine solche Burg vorstellen muss, anhand einer Rekonstruktionszeichnung der Burg im Hain in Obertshausen aufgezeigt werden.

Im zweiten Teil der Wanderung wurde der rasante Aufstieg des Ortes, die schwierigen Lebensumstände der Bevölkerung und die Gründe für den späteren Niedergang des Ortes im Dreißigjährig Krieg beleuchtet. Ausgelöst von Seuchen und Hungersnöten im 14. Und 15. Jahrhundert blieb die Sterblichkeit das ganze Spätmittelalter hindurch sehr hoch. Dies zusammen mit Schlechtwetterperioden führte zu einer Verödung der Feldflure und das Wüst werden unzähliger Siedlungsstellen und Dörfer, auch in der Nachbarschaft. So wird verständlich, dass eine Ausweitung des Siedlungsareals in Ober-Roden während dieser Zeit kaum erfolgen konnte.

Die aufkommende Reformation spaltete ganz Europa religiös und führte über 150 Jahre zu großen Verwerfungen und gipfelte schließlich im 30-jährigen Krieg von 1617 bis 1648. Mit der beinahe vollständigen Zerstörung des Ortes und nur noch 22 überlebenden Menschen stellte diese Zeit quasi eine neue Stunde O dar. Dieses verbliebene Bündel Bewohner und neue Einwohner packten an und richtet den Ort wieder auf. Dies erklärt auch, warum die ältesten Gebäude im Ort nur bis auf diese Nachkriegszeit zurückdatiert werden können. Als Beispiel dient hier das liebevoll restaurierte Wohnhaus Dockendorffstr. 18 aus 1686.

Bei zwei ausgewählten Objekten, dem Gasthaus zum Löwen und dem Haus Obergasse 11 wurde Historischen nachgezeichnet und mit eigenen Erlebnissen garniert. Neu war, dass die Laternenwanderer sich selbst einbringen konnten, wovon schnell zur Begeisterung der Wanderer Gebrauch gemacht wurde. Arno Mieth wusste als langjähriger Bewohner der Obergasse rund um das Gasthaus zum Löwen, dem heutigen „Mortsche“ zu berichten, wie diese Namensschöpfung entstand und dass dort auch das erste Kino mit rund 300 Plätzen entstand.

Der weitere Weg führte zu dem historischen Gebäude einer weiteren Bauepoche, dem Haus Obergasse 11, das heute von der Familie Waldemar Lange bewohnt und ebenfalls mit viel Liebe und großem Engagement gepflegt wird. Zu der Geschichte wusste Waldemar Lange Interessantes zu berichten. Die Laternenwanderer Adi und Helga Schrod konnten als langjährige Bewohner dieses Bereiches ebenfalls zu diesem Gebäude, den früheren Besitzern und dem angrenzenden Hufschmied, dessen Schmiede heute noch vollständig erhalten ist, so manches, auch Erheiterndes, beisteuern.

Weiter ging es durch die Pfarrgasse zum neu gestalteten Kirchenumfeld. Dort erhielten die Teilnehmer von Marcel Kopp und Bürgermeister Rotter weitere Informationen zur gelungenen Umgestaltung des Kirchenhügels, der bei neuer Abendbeleuchtung zu einer phantastischen Abschlussstimmung beitrug. Hier dankten Bürgermeister Jörg Rotter und Ernst Schäck dem „Organisator und Bauleiter der Katholischen Kirchengemeinde“ für seinen großen Arbeitseinsatz, zu dem auch die vorausgegange Erneuerung des Kirchendaches zu zählen ist.

Bei Glühwein und Punsch klang die Wanderung im Hof des Forums aus, wo auch lebhaft über die aufgeworfenen historischen Fragestellungen diskutiert wurde.


Laternenrundgang

Datum: 28.12.2025 (Fotos: Christine Ziesecke)





 
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